Schulentwicklung2009


1.1 Konzept des Schriftspracherwerbs an der Friedrich-Fröbel-Schule

1.1. Notwendige Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb 

 

In der Regel erwerben Kinder bis zum Einschulungsalter von 6 Jahren die kognitiven, sprachlichen und motorischen Voraussetzungen, um dann im ersten Schuljahr das Lesen und Schreiben in angemessener Zeit zu erlernen.

Bei Schülern der Schule für Praktisch Bildbare unterliegt diese regelgerechte Entwicklung Störungen, die unterschiedlich ausgeprägt in den einzelnen Anforderungsbereichen sein können. Diese Störungen können im Sinne einer frühkindlichen Schädigung, eben der vorliegenden Behinderung, entstanden oder aber auch zusätzlich durch eine kindliche Deprivation erworben worden sein.

Die Förderungen in den nicht altersgemäß erworbenen Entwicklungsbereichen als Voraussetzung des Schriftspracherwerbs ist dann zunächst Unterrichtsgegenstand in der Schule. Diese Förderungsansätze können für viele Schüler für ihr ganzes Schulleben bestimmend sein und die Verminderung der vorliegenden Defizite bestimmt den Erfolg ihrer späteren Lese- und Schreibfähigkeiten.

Wichtig ist vor Beginn des Unterrichts eine differentialdiagnostische Abklärung, um die Stärken und Schwächen der einzelnen Schüler in Bezug auf den Schriftspracherwerb zu festzustellen und damit die Förderansätze zu bestimmen.Eine gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus ist unabdingbar, um zum einen eine  realistische Erwartungshaltung der Eltern zu erreichen und ihnen Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen, wie die Förderung von Motivation und Lernbereitschaft durch Vorlesen und Beschäftigung mit Geschriebenem.

Hilfreich ist es auch, um feinmotorische Defizite oder behinderungsspezifische Einschränkungen zu kompensieren, frühzeitig Lernen und Üben mit entsprechender Software am Computer einzubeziehen. Inzwischen gibt es für alle Förderungsbereiche Programme für den Erwerb und das Üben der notwendigen Voraussetzungen sowie auch für die Unterstützung mit der Arbeit mit entsprechenden Leselehrgängen. Der Umgang mit Computern ist auch in der Schule für Praktisch Bildbare, so auch in unserer Schule, Normalität.

Eine Zusammenstellung der wichtigsten Voraussetzungen zum Schriftspracherwerb befindet sich in der folgenden Tabelle, die auch Anregungen zur Schwerpunktsetzung des Unterrichtes und verbindliche Aussagen über die im Rahmen der Schriftspracherwerbs zu verwendeten Begriffe, Fähigkeiten und Fertigkeiten macht.

Fähigkeiten und Fertigkeiten, die für den Schriftspracherwerb notwendig sind.

Grundvoraussetzungen

Fähigkeiten und Fertigkeiten

Bemerkungen/Förderansätze

Sprache

  • Ausreichender Wortschatz

  • Ausreichendes Sprachverständnis

  • Sprechen in Sätzen

  • Grammatikalisches Sprachansätze

  • Gezielter Einsatz der Mundmotorik

  • Inhaltsverständnis

  • Aufgabenverständnis

  • Beherrschung der Lesetechnik muss mit Sinnentnahme gekoppelt werden können.

  • Es sollten alle Laute gebildet werden können.    

  • (Zungenübungen, Lippenübungen, Blasübungen)   

  • Beachten der Mund- und Lippenstellung

  • Wortschatzübungen, Ratespiele, Fragen und Antworten üben.

  • Geschichten anhören und wiedererzählen

  • Oberbegriffsbildung: z.B. Was können wir essen?

  • Übungen zum Umsetzen von Arbeitsanweisungen

  • Parallele Anbahnung von Lesen und Schreiben

Begriffsbildung

  • Zu lernende Begriffe:

  • Buchstabe, Wort, Silbe, Satz, Text

  • Punkt, Komma, Ausrufezeichen,

  • Fragezeichen

  • Überschrift, Zeile, Text, Seite, Seitenzahl

  • Arbeitsblatt, Heft, Mappe, Ordner,

  • Lesebuch

  • Mäppchen, Bleistift, Buntstift,

  • Radiergummi, Spitzer, Schere, Lineal,

  • Klebestift,

  • Groß und klein im übertragenden Sinn benutzen können

  • Im Zusammenhang mit dem Schriftspracherwerb verwendete Begriffe müssen den Schülerinnen und Schülern geläufig sein, sonst sind Arbeitsanweisungen für sie nicht verständlich.

  • Gegenstandsanalyse

  • Schuleinheitliche Verständigung: Mappen für Lesekurse in rot

  • Mappen für Mathekurse in blau, Gebrauch der Mäppchen

  • Die Begriffe „groß und klein“ angewendet auf große und kleine Buchstaben werden im übertragenen Sinne gebraucht

Merkfähigkeit

  • Regellernen

  • Verbales Arbeitgedächtnis

  • Wiedererkennen von Wortbildern

  • Merken der Buchstaben und Silben vom

  • Wortanfang bis zum Ende

  • Merken von Sinngehalten

  • Merken von gelernten Wörtern und

  • Begriffen

  • Z.B. Am Satzanfang wird groß geschrieben.

  • Ans Satzende kommt ein Punkt.

  • Übungen für die auditive Merkspanne

Arbeitshaltung

  • Konzentrationsfähigkeit

  • Selbständiges Arbeiten am Tisch

  • Gruppenfähigkeit

  • Ausdauer

  • Interesse am Lerngegenstand

  • Einhalten von Regeln

Die Schülerin oder der Schüler muss auch Lesen und Schreiben lernen wollen, möglichst aus intrinsischer Motivation, eine extrinsische Motivation überdauert die Zeit des Schriftspracherwerbs nicht, da er Jahre dauern kann.

Feinmotorische Fähigkeiten

  • Korrekte Stifthaltung

  • Schreibrichtung einhalten können

  • Auf der Linie bleiben können

  • Handzeichen bilden können

  • Ausmalen können

  • Ausstreichen können

  • Einkreisen können

  • Unterstreichen können

  • Ausschneiden können

  • Lochen und Einheften von Arbeitsblättern

  • Krafteinsatz

  • Fingerbeweglichkeit

  • Auge-Handkoordination

  • Druckschrift in Gemischtantiqua zur Einführung

  • Diese Fähigkeiten müssen nicht nur handwerklich bewältigt werden, sondern auch in der Begriffsbildung gefestigt sein.

  • Zusatzmaterial auch für feinmotorisch ungeschickte Schüler wie Setzleiste, Wort-und Buchstabenkarten.

  • Dicke Stift, Griffhilfen, Linkshänder-Schreibunterlage

  • Individuelle Lineatur

Medienbeherrschung

  • Bedienen und Verwenden von technischen und elektronischen Medien wie z.B. CD-Player, Computer und Computerzubehör

Viele Übungsmaterialien zur Wahrnehmungsförderung und zum Schriftspracherwerb sind inzwischen als Computerprogramme erhältlich oder werden aus dem Internet heruntergeladen. Computerkenntnisse sind für den Unterricht und für die Übungssituationen zu Haus inzwischen für Schüler Standardwissen. Für körperbehinderte oder sehbehinderte Schüler müssen spezielle Vorrichtungen wie besondere Tastaturen oder größere Monitore bereitgestellt werden. 

Wahrnehmung

  • Raumlage im Raum und auf dem Papier

  • Begriffe: oben-unten-vorn hinten-neben-nachher-zuerst müssen verstanden und umgesetzt werden

  • Einheiten ganzheitlich wahrnehmen können

  • Gestaltauffassung

  • ·Reihenfolgen bilden, Schreib- und Leserichtung kennen

Raumlagebegriffe müssen vom dreidimensionalen Raum auf den zweidimensionalen Raum übertragen werden können.

Mehrgliederige Laute (z.B. sch) ganzheitlich erfassen können

Wörter als Ganzwörter wieder erkennen

Mehrdimensionaler Ansatz – Schaffung von intermodale Verbindungen und serialer Integration der einzelnen Wahrnehmungsleistungen Sehen-Hören-Kinästhetik

Optische Differenzierung

  • Buchstaben als Buchstaben von anderen Zeichen unterschieden können

  • Buchstaben untereinander unterscheiden könne

  • Minimale Unterschiede erkennen

  • Optische Raumlagefixierung

  • Auffinden der Buchstaben in Wörtern und Texten

  • Zahlen – Buchstaben- Piktogramme unterscheiden können

  • Verstehen, dass Buchstaben in einem Wort einen festen Platz haben

  • Übungen zur Figurkonstanz und Figur-Grund-Wahrnehmung

Akustische Differenzierung

  • Laute bilden können

  • Laute unterscheiden können Laute heraushören können

  • Standort von Lauten im Wort bestimmen können.

  • Wörter wieder erkennen

  • Übungen mit Tierstimmen

  • Übungen mit Alltagsgeräuschen

  • Anlaute erkennen

  • Gleichheitsabstraktionen

  • Allgemeines Lauthören /Spezielles Lauthören der Lautstellung

Melodische und Rhythmische Differenzierung

  • Melodien erkennen

  • Melodien selbst wiedergeben

  • Rhythmen nachklatschen

  • Schnell-langsam, laut-leise, hoch-tief unterscheiden können

  • Melodie, Tempo, Dynamik und Pausen sind wichtig für Lautklangdurchgliederungen, Sinnentnahme bei Texten, Sinn- und Worterwartung beim Lesen

  • Sprechzeichnen, Syllabieren mit Klatschen

  • Länge und Dauer von Lauten und Wörtern erkennen, Betonungen beim Lesen.   

  • Th 02/2010

1.2. Der Leselernprozess (nach Günther)

Grundlage für das Lesen und Schreiben Lernens an unserer Schule ist der Erweiterte Leselernbegriff nach Hublow bzw. Günther (vgl.).

Die Reihenfolge der Lesestufen wird danach in einem Stufenmodell idealtypisch dargestellt:

 

                                              

                                                           „Schrift lesen“ (Analyse, Synthese, Sinnentnahme)

                                                          

                                               Ganzwörter lesen

 


                                   Signalwörter lesen

 


                       Piktogramme lesen

 


            Bilder lesen

 

Situationen lesen

 


                                   Lebensalter

 

Lesestufen und Lesearten des erweiterten Lesebegriffs aus Günther 1999, 16.

Die Leseentwicklung bei jedem unserer SchülerInnen verläuft individuell. Die meisten von ihnen erreichen die Stufe des Situationslesens.  SchülerInnen mit schweren Behinderungen bleiben eventuell auf dieser Stufe stehen und entwickeln sich innerhalb dieser Stufe qualitativ weiter. Sie lernen, sich immer auf neue Situationen, Personen, Gegenstände und Räume einzustellen. Viele unserer Schüler entwickeln mit der Zeit Fähigkeiten in den Bereichen Bilder, Piktogramme, Signalwörter und Ganzwörter lesen. Diese Kompetenzen werden in der Regel während der Schulzeit und auch noch im Erwachsenenalter ständig erweitert und spielen eine wichtige Rolle im Alltagsleben) (vgl. Günther 1999, 15 und Oelwein 1998, 16ff).

Entscheidend für fast alle Lese- und Schreibstufen ist die Fähigkeit der SchülerInnen, ein Symbolbewusstsein zu entwickeln und zu lernen, dass Zeichen für etwas stehen können. Dabei handelt es sich nach Schmid und Schimmele auf den Stufen „Bilder lesen“ und „Piktogramme lesen“ noch um Zeichen, die aufgrund ihrer grafischen Darstellung eine Ähnlichkeit mit dem gemeinten Gegenstand oder der dargestellten Situation erkennen lassen. Bei der Buchstabenschrift werden die SchülerInnen nun aber mit abstrakten Zeichen konfrontiert, die von sich aus eigentlich keinerlei Ähnlichkeit mit dem haben, für das sie stehen. Ein entscheidender Schritt in der Lese- und Schreibentwicklung ist daher die Erkenntnis, dass Buchstaben sinnvolle graphische Zeichen sind, die in bestimmten Zusammensetzungen einen  Sinn ergeben. (vgl. Schmid und Schimmele S59). Dies ist für viele unserer SchülerInnen ein komplizierter und komplexer Zusammenhang. Deshalb macht es durchaus Sinn, Signalwörter und häufig vorkommende Wörter als Ganzworte zu speichern. Sie werden dann an einzelnen signifikanten Merkmalen oder in einem bestimmten Kontext erkannt. Voraussetzung hierfür ist die optische Differenzierung.

 

Ergänzt wird unser Verständnis des erweiterten Lese- und Schreibbegriffs durch den ursprünglich für die Grundschule konzipierten Ansatz des Schreiben  und Lesen Lernens mit Hilfe der Anlauttabelle. Die Arbeit mit der Anlauttabelle setzt hierbei ein gewisses Maß an phonologischer Bewusstheit voraus.

1.3 Die Bedeutung der Phonologischen Bewusstheit

 

Noch vor etwa drei Jahrzehnten ging man davon aus, dass vor allem die Fähigkeit zur optischen Differenzierung (siehe 1.2) eine wesentliche Grundlage für den Schriftspracherwerb darstellt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat die wissenschaftliche Forschung den Nachweis erbracht, dass für den Lese- und Schreibprozess vor allem Sprachwahrnehmungs- und Sprachverarbeitungsfähigkeiten eine bedeutsame Rolle einnehmen. Der Zusammenhang zwischen phonologischer Bewusstheit und Lese- Rechtschreibleistung wurde in zahlreichen Studien bestätigt.

Die Phonologische Bewusstheit zeigt hierbei einen hierarchischen Aufbau.

Die Basis bilden Lieder, Sprüche, Sprachspiele, Lausch- und Reimaufgaben, die ihren festen Platz im Unterricht unserer Schule einnehmen. Darauf aufbauend geht es um die Wahrnehmung von Sprachstrukturen. Hier liegt der Fokus auf der Erfassung des Wortes als Ganzes. Danach lässt sich die Gliederung in Silben anbahnen. Dies wird zum Beispiel durch Klatschspiele umgesetzt.

Die Erkenntnis der lautlichen Entsprechung von Phonem und Graphem baut hierauf auf. Hier geht es zunächst um Hörübungen zu den An-, End- und Inlauten. Die Anlauttabelle gilt hierbei als Hilfsmittel.

Die Entsprechung von Phonem und Graphem bildet zudem die Basis für den Vorgang der Synthese. Hierzu ist es notwendig, das Graphem optisch zu differenzieren, es in ein Phonem umzuwandeln und dieses in das Kurzzeitgedächtnis (Arbeitsspeicher) zu übernehmen. Danach wird mit den nächsten Graphemen dieser Prozess gestartet, um dann die Phoneme zusammen zu schleifen. Im Anschluss ist dann eine Sinnentnahme möglich.


1.3.1. Arbeit mit der Anlauttabelle

 

Die Arbeit mit der Anlauttabelle bildet eine wichtige Basis für das Lesen und Schreiben lernen an unsere Schule. Mit Hilfe der Anlauttabelle lässt sich der Lernprozess des Lesens und Schreibens miteinander sinnhaft verknüpfen. Durch die Entsprechung von Phonem und Graphem lässt sich das Wortklangbild in Einzellaute auflösen. So gelingt das lautgetreue Schreiben sehr schnell. Dies steigert die Motivation unserer Schüler, anhand von konkreten lebenspraktischen Anlässen frei zu schreiben (Einkaufsliste, Briefe usw.). Auf diese Weise wird die Lebenswelt unserer Schüler in den Lese- und Schreibprozess miteinbezogen, gute Differenzierungsmöglichkeiten eröffnen sich, die Aktivität der Schüler wird angeregt.

Es finden sich durchaus auch Nachteile an diesem Konzept. So entstehen vor allem Probleme bei Schülern mit Hör- und Sprachstörungen. Hier gilt es, entsprechende Einschränkungen durch eine verstärkt  visuelle Ausrichtung des Lernvorgangs auszugleichen.

Zusätzliche Problematiken entstehen durch die Tatsache, dass sich in der deutschen Sprache  Phonem und Graphem nicht immer 1:1 gleichsetzen lassen. Hier erscheint es besonders wichtig, auf entsprechende Phänomene explizit einzugehen, Auch die Vermittlung der Rechtschreibung sollte nicht losgelöst, sondern konkret anhand der verwendeten Wörter und Sätze geschehen. So ist es uns durchaus wichtig, besonders häufig verwendete Wörter in der korrekten Schreibweise zu vermitteln. Auch dieses wird  an den spezifischen Kompetenzen unserer Schüler ausgerichtet und individuell in deren Lernprozess integriert. Wichtig hierbei erscheint der Ausgleich zwischen dem Erhalt der Motivation durch freies Schreiben und gleichzeitig der Vermittlung festgelegter Richtlinien in der deutschen Rechtschreibung.

 

 

1.3.2  Der Anlautbaum

 

“Der Anlautbaum“ entstand 2003-2005 an einer „Förderschule mit dem Schwerpunkt ganzheitliche Entwicklung“. Holger Schäfer und Nicole Leis entwickelten mit Hilfe von Kolleginnen und Kollegen  ein lehrgangunabhängiges Anlautsystem. 

Er überzeugte uns, weil er theoretische Grundlagen und attraktives, klar gestaltetes Übungsmaterial enthält. In Form eines Baumes sind alle Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge angeordnet. Das Kollegium der Rosenbergschule hat sich intensiv mit der Auswahl der so genannten Ankerbilder beschäftigt. Die Bilder sind prägnant, klar schwarzweiß illustriert, kindgemäß, mehrdimensional (d. h. es sind beispielsweise nicht nur Tiere abgebildet) und an einem begrifflichen Minimalkonsens orientiert. So lässt sich das Anlautplakat mit allen Leselehrgängen (Lesen mit Lo, Momel lernt lesen, Lesen lernen mit Hand und Fuß, Kieler Leseaufbau) kombinieren und kann auch stufenunabhängig eingesetzt werden.

Die Begriffe sind so ausgewählt, dass Konsonantendopplungen (z. B. Bl bei Blume) am Wortanfang vermieden werden und dass Laut- und Buchstabenname voneinander abgegrenzt werden können Buchstabe G à gesprochen: „Ge“, G als Laut à „Gabel“.

Im Anlautbaum werden alle Laute der deutschen Sprache zunächst nur reduziert durch ein Bild  abgebildet. Im 2. Band steht dann beispielsweise für das /e/ eine Erweiterung zur Verfügung.

Die Lernvoraussetzungen unserer geistig behinderten Schülerinnen und Schüler sind sehr unterschiedlich. Der Sprach- und Schriftspracherwerb verläuft langsamer. Eine konsequent lineare Arbeit mit einem klassischen Leselehrgang ist spätestens in der Mittelstufe nicht mehr möglich. , „weil die Schüler sich auf zu unterschiedlichen Lernstufen befinden und die Fibelinhalte nicht mehr mit den Interessen der Schüler harmonieren…“(Schäfer/ Leis, S. 51).

Für Schülerinnen und Schüler (Quereinsteiger), die bisher nach dem Spracherfahrungsansatz (Gudrun Spitta, Hans Brügelmann: Schrift entdecken) gearbeitet haben, bedeutet ein Arbeiten mit dem Anlautbaum keinen Bruch.

Das im Klassenzimmer aufgehängte Poster des Baumes, das ansprechende Anlautdomino, die Wendekarten und das Anlautmemory (Bild-Bild, Bild-Buchstabe, Bild-Wort) sind gut dazu geeignet die phonologische Bewusstheit zu fördern. Gut geeignetes Übungsmaterial für die Freiarbeit und die individuelle Förderung sind Kopiervorlagen zum Ausmalen, Schreiben, Ausschneiden und Puzzeln der Buchstaben, Silbenkärtchen, Klammerkarten und Vorlagen für ein Angelspiel.

Das Material des Anlautbaumes verwendet die Druckschrift Nord geschlossen, outline, outline mit Spurhilfen, Dreier-Linien-System). In der Erweiterung ist die Vereinfachte Ausgangsschrift verfügbar.

Die empfohlenen Anlautgebärden verwenden wir in der Friedrich-Fröbel-Schule nicht. Die Grundstufe benutzt die Gebärden des Leselehrgangs Momel. Alle Stufen gebärden ausgewählte Begriffe aus dem Makatonvokabular bzw. der Deutschen Gebärdensprache.

 

Für die Einzel-Arbeit am PC steht den Schülerinnen und Schülern eine attraktive aber einfache digitale Version zur Verfügung (Der sprechende Anlautbaum). Angeklickte Buchstaben werden vorgesprochen, so lange es das Kind will.

 

1.4 Schrift und Schreiben

 

In der pädagogischen Konferenz zum Thema „Lesen in der Friedrich-Fröbel-Schule“  am 18.3.09  wurden mit den Kolleginnen und Kollegen verbindliche Absprachen getroffen.

Lesen

  • Wir benutzen große und kleine Buchstaben,da die Lesbarkeit von Texten dann einfacher ist.

  • Die verwendete Druckschrift ist Norddruck/ Druckschrift Nord/ Fibelschrift. Ähnliche PC-Schriften sind Arial und Comic.

 

Für den Gebrauch der Norddruck/Druckschrift Nord spricht: Sie wird als Fibelschrift und Schrift in Büchern für Leseanfänger am häufigsten genutzt. Sie ist klar, wirkt kompakt. Das kleine a sollte auch als a geübt werden, weiterführendes Lesen braucht die Kenntnis dieser Buchstabenform. Das kleine l sollte auch als l geübt werden. Motorisch einfacher zu schreiben und vor allem optisch leichter zu erfassen sind  das k und das ß mit deutlicher Unterlänge.

  • Für Leseanfänger sollten nicht mehr als 5 Wörter in einer Zeile stehen.

  • Es wird rechtsbündig und im Flattersatz (Verzicht auf das Trennen von Wörtern) geschrieben.

  • Kursiv ausgedruckt kann die Druckschrift eine gute Hinführung zur Schreibschrift sein. In der Regel kommen unsere Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit Kenntnissen der VA, Vereinfachten Ausgangsschrift. Die erlernte Druckschrift wird fortgeführt. Beginnt ein Kind bei uns mit Schreibschrift, so sollte das auch die VA sein.

 

Norddruck (der Medienwerkstatt Mühlacker)/ Druckschrift Nord / Fibelschrift:

a bcdefghij k l mnopqrs t uvwxyz ß

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ.

Arial:

a bcdefghij k l mnopqrs t uvwxyz ß

ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

 

Schreiben

  • Bevorzugt mit weichem Bleistift, geht leicht übers Papier, weißer weicher Kunststoff-Radiergummi

  • Anfangs kleine Hefte A 5, Erfolgserlebnis durch „voll“ werden

  • Bunte Lineatur, Lineatur größer als ersten Schj., einfache Linie, Lineatur 1. Schj., Lineatur 3. Schj.

  • Ausschreiben und Ausmalen mit Holzbuntstiften guter Qualität

  • Dicke Bleistifte und Griffhilfen, möglichst keine runden, sondern 6-eckige oder dreieckige Stifte.

  • Schnellhefter aus Pappe sind haltbarer als aus Kunststoff und vermeiden Müll. Sie sind größer, so dass die Blätter besser geschützt sind.

  • Vereinbarung: Schnellhefter Deutsch rot, Schnellhefter Mathe blau.

  • Jede Schülerin und jeder Schüler sollte sein eigenes Mäppchen mit Schere und Klebestift im Ranzen haben.

 

1.5. Schriftspracherwerb an der Friedrich-Fröbel-Schule

 

1.5.1 Deutschunterricht in der Grundstufe

Der Deutschunterricht beginnt bereits mit dem Schuleintritt in die erste Klasse. Er findet sowohl im fächerübergreifendem Klassenunterricht, als auch in klasseninternen und klassenübergreifenden Kursen statt. Die Schüler bringen in der Regel sehr unterschiedliche Vorraussetzungen zum Schreiben und Lesen lernen mit. Diese erfordern oftmals die Arbeit in leistungshomogeneren Kleingruppen. Zudem wird die individuell verlaufende Leseentwicklung in der Einzelförderung oder Freiarbeit bzw. Tagesplan aufgenommen.

Vorraussetzungen zum Lesen und Schreiben lernen

Um das Lesen und Schreiben zu erlernen, sind vielfältige Fähigkeiten und Fertigkeiten notwendig (vgl. 1.1). Jeder Schüler bringt bereits verschiedene Voraussetzungen mit. So beginnt der Deutschunterricht in der 1. Klasse in der Regel zunächst mit Vorübungen, die an der Lernausgangslage des Schülers anknüpfen.

Neben Fähigkeiten in den Bereichen der Körperwahrnehmung, Konzentrations- und Merkfähigkeit und dem Sprachverständnis sind folgende Bereiche von besonderer Bedeutung und werden durch spielerische Aufgaben intensiv geübt:

 

Auditiver Bereich

Aufgaben zur Förderung der phonologischen Bewusstheit, wie die Unterscheidung von Lauten, Alltagsgeräusche zuordnen, Klatschspiele zur Silbentrennung, Reime und Lieder etc.

 

Visueller Bereich

Übungen zur Optischen Differenzierung oder Analyse (Veränderungen an Bildern wahrnehmen, überschneidende Figuren und Formen erkennen, Bildausschnitte einem Bild zuordnen), Übungen zur Raumlage etc.

 

Graphomotorischer Bereich

Aufgrund häufiger zusätzlicher motorischer Beeinträchtigungen stellt die Graphomotorik für unsere Schüler oftmals eine große Herausforderung dar. Die unterschiedlichen motorischen Fähigkeiten der Schüler erfordern eine individuelle Auswahl an Schreibgeräten und Griffhilfen. Hier besteht auch eine Kooperation mit den an unserer Schule arbeitenden Ergotherapeuten. Das Erlernen der angemessene Stifthaltung, feinmotorische Übungen, wie Ausmalen, Schwungübungen, das Ergänzen von fehlenden Bildelementen, sowie das Nachspuren von Formen und Zeichen stellen einen Teil der Vorbereitung auf das Schreiben dar. 

 

Erkennen und Anwenden von Symbolen

Bilder und Bildreihen verstehen und sich mit Hilfe von Piktogrammen, Signalen etc. in der Umwelt zurechtzufinden. Dabei lernen die Schüler auch Symbole für verschiedene Arbeitsmethoden und Schritte kennen.

 

Lesen und Schreiben lernen 

Die Sprachförderung ist im Deutschunterricht besonders wichtig, da Schrift das Abbild gesprochener Sprache ist. Aktives Sprechen wird genauso geübt, wie das gegenseitige Zuhören.

Die Schüler sollen von Anfang an erfahren, warum und wofür Schrift so wichtig ist und lernen, dass das Lesen und Schreiben ihre Handlungsmöglichkeiten erweitert, so wird z.B. das Schriftbild des eigenen Namens eingesetzt um persönliche Gegenstände zu kennzeichnen und wiederzuerkennen. Die Anregung und Motivation zur eigenen Leseaktivität wird durch ein attraktives Leseangebot im Klassenzimmer, Beschriftungen an Schränken (kombiniert mit Piktogrammen) und die Sichtbarmachung (z.B. Briefe, Plakate, Wandzeitungen) von Ergebnissen erhöht.

Neben der Arbeit mit der Fibel sind die Angebote im Deutschunterricht an den Erlebnissen, täglichen Ereignissen und Interessen der Schüler orientiert.

 

Lesen und Schreiben werden immer parallel geübt. Das bedeutet, dass beim Lernen eines Buchstabens Angebote zum Schreiben und Lesen vorhanden sind.

Ausgangsschrift ist die Druckschrift, da sie im Alltag als gängige Schriftart verwendet wird. Wir verwenden in der gesamten Beschulungszeit die Druckbuchstaben der Ausgabe Nord.

Das Schreiben lernen ist an keine bestimmte Lineatur gebunden. Abhängig von der Wahrnehmungsfähigkeit und dem Lernstand des Schülers wird die geeignete Lineatur herausgesucht.

Schon in der Grundstufe wird phasenweise am Computer gearbeitet. Neben verschiedenen Lernprogrammen, die dem Üben und Vertiefen dienen, wird der Computer gerade auch für die Schüler genutzt, welche aufgrund motorischer Beeinträchtigungen Schwierigkeiten beim Schreiben haben.

 

Der Leselehrgang Momel

Um das Lesen- und Schreiben lernen in der Grundstufe methodisch zu vereinheitlichen haben wir uns für ein Standardwerk entschieden. Momel ist ein Leselehrgang, der speziell für Förderschulen entwickelt wurde. Erschienen ist er erstmals 2001. Seitdem wurde er fortlaufend überarbeitet. Er überzeugte uns aufgrund seiner fachdidaktischen Grundlegung, der für unsere Schüler angemessenen kleinschrittigen Vorgehensweise, sowie der gerade für die jüngeren Schüler ansprechenden Gestaltung.

 

Der Lehrgang besteht aus drei Fibeln und verschiedenem Zusatzmaterial. Jeder Schüler eines Lesekurses bekommt seine eigene Fibel, welche er auch mit nach Hause nehmen darf.

Die Verteilung der einzelnen Lernsequenzen richtet sich flexibel nach den Lernfortschritten der Lerngruppe. Daher ist eine genaue Zuordnung der Fibeln zu den einzelnen Schuljahren nicht möglich.

Die Arbeit mit der Fibel hat auf die Schüler eine sehr motivierende Wirkung. Viele kennen berietd die Fibeln von Geschwisterkindern, die Regelschulen besuchen und sind stolz nun auch eine zu besitzen. 

 

Der Leselehrgang Momel ist ein methodenintegriertes Leselernverfahren. Er umfasst sowohl das Erlernen von Ganzwörter, als auch das analytisch-synthetisches Lesen.

Laute bzw. Buchstaben, Ganzwörter und Bilder werden nahezu parallel eingeführt. So können die Schüler relativ schnell kurze Sätze lesen.

 

Die Einführung der Buchstaben erfolgt stets nach dem selben Schema, so dass die Schüler eine bestimmte Vorgehensweise beim Erlernen der Buchstabens erfahren. Die Buchstaben werden kleinschrittig und mit lauttreuem Material eingeführt.

Immer erlernen die Schüler zeitgleich den Groß- und Kleinbuchstaben.

Die Vermittlung von laut- und formähnlichen Buchstaben und von stimmhaften und stimmlosen Lauten erfolgt mit großem zeitlichen Abstand.

Als Einstieg wurden die leichter zu artikulierenden Phoneme (Artikulationsstelle vorne) gewählt. Lautbildungsschwierige und seltene Buchstaben werden erst möglichst spät eingeführt.

 

Phonem-Analyse mit Unterstützung durch Mundbild und Handzeichen

Zur Einübung der Graphem-Phonem -Zuordnung arbeiten wir mit einem Handzeichensystem, welches der Leselehrgang beinhaltet. Dieses ist ein kombiniertes „Mund-Einhand-System“. Das heißt die Handzeichen werden sowohl mit dem Mund, als auch der Hand gebildet. Diese unterstützende Methode ist eine sinnvolle Hilfe, da den Schülern das Unterscheiden von anderen Lauten durch Hören und vergleichen des Lauthandzeichens leichter fällt. Schüler mit sprachlichen Schwierigkeiten werden mit Hilfe der Handzeichen dazu befähigt Laute deutlicher zu äußern.

In verschiedenen Übungen lernen die Schüler die Lautkonstanz bei verschiedenen Lauten (laut-leise, hoch-tief, lang-kurz)zu erfassen und Laute in Silben und Wörtern (zunächst als Anlaut, später auch als Aus- und Mittellaut) zu erkennen.

 

Graphem-Analyse

Das Erlernen der Buchstaben erfolgt auf ganzheitlicher Ebene durch körperliches und sensorisches Erleben und Begreifen. So wird der neu erlernte Buchstabe nicht nur als Graphem nachgespurt und geschrieben, sondern darüber hinaus ertastet, abgelaufen, geknetet, gepuzzelt, gedruckt und gelegt.

Aufgaben zur Festigung bestehen im Unterscheiden von anderen Buchstaben (zum Beispiel einkreisen) und dem Erkennen des Graphems in Wörtern und Texten.

Zu jeder Fibel gehört ein eigener Druckschriftlehrgang, in dem die Buchstaben in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Methoden geübt werden können.

 

Synthese

Sobald ein Schüler die ersten Buchstaben beherrscht, beginnt er mit Übungen zur Synthese (Zusammenfügen von Lauten/ Silben zu einem Wort) und Analyse (Zerlegen eines Wortes in Laute/ Silben) von kurzen Wörtern. Das Verschleifen der Laute kann durch die Benutzung der Handzeichen unterstützt werden. So lernt der Schüler erste Wörter selbstständig zu lesen und zu schreiben.

 

In allen zum Lehrgang gehörenden Materialien steht Momel als Identifikationsfigur im Vordergrund. Momel kommt aus dem Momelland und besucht das „Leseland“ der Menschen. Jede Unterrichtseinheit zu einem Buchstaben ist in eine Szene mit Momel eingebettet. Darin erlebt Momel verschiedene Alltagssituationen, die für die Kinder als Sprechanlass genutzt werden können. Zum Beispiel: Schultüte, auf dem Markt, Momel im Garten, Momel im Zoo.

Anknüpfend an diese Rahmenhandlung können zudem kleine Situationen mit Dialogen und Rollenspielen nachgespielt und der Text sich so über das Lesen hinaus inhaltlich erschlossen werden.

 

Ergänzend zum Leselehrgang „Momel“ arbeiten wir in der Grundstufe mit Material aus dem Anlautbaum oder „Lesen lernen mit Hand und Fuß“.

 

1.5.2. Der Schriftspracherwerb in der Mittelstufe

 

Im Anschluss an diese Arbeit setzen wir in der Mittelstufe der Friedrich-Fröbel-Schule nun schwerpunktmäßig den „Anlautbaum“

im Unterricht ein sowie Teile des Lehrgangs Klick! (Cornelsen Verlag).

In der Regel besuchen die SchülerInnen und Schüler vom 4.-6. Schulbesuchsjahr die Mittelstufe. Der Lernprozess, der in der Grundstufe begonnen wurde, wird fortgeführt.

 

Folgende Fragen werden zu Beginn des Schuljahres bei der Unterrichtsplanung und -organisation zunächst bearbeitet:

  • Diagnostische Lesestandserhebung: 
    Welche Buchstaben, Buchstabenkombinationen sind bekannt? Wie weit ist der Lese- und Schreibprozess fortgeschritten? Welche Buchstaben werden zweifelsfrei gehört? Findet eine Gliederung der Worte in Silben statt?
  • Wie ist das Schriftbild entwickelt? Wie weit ist die Feinmotorik der Hand entwickelt? Welche Lineatur sollte verwendet werden: z. B. farbige Lineatur der Sozialtherapeutische Werkstätten GmbH, Wuppertal, andere Schreiblernhefte?
  • Welche Stifte werden verwendet: Bleistift, Füller, unterschiedliche Stifte, Folienstifte?
  • Welche Schülerinnen und Schüler nehmen am Kursunterricht Lesen (2x 60 Minuten in der Woche) teil?

 

Inhalte:

  1. Erlernen/ Festigung von Buchstaben: Lesen von Worten, kurzen Sätzen
  2. Üben des Lesens (Synthese)
  3. Lesen als Arbeitsauftrag: z. B. Rezept, Einkaufszettel,
  4. Lesen als Orientierung im Tagesablauf: Stundenplankarten (Bild, Text)
  5. Sprechen/ Lesen von Gebärden: Gebärdensprache Makaton und DGS
  6. Schreiben: Namen, Grußkarte, Glückwunschkarte, Wort- und  Satzdiktate
  7. Lesen und Vorlesen von einfachen Geschichten
  8. Rollenspiel
  9. Grammatik:

 

           1.    Sprechen in (einfachen) Sätzen (sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch  Schülerinnen und Schüler)

           2.    einfache Wortarten (Verb, Nomen)

           3.    Silbentrennung

           4.    Groß- und Kleinschreibung

 

 

Lernen im Kurssystem

Wird es von den Lehrkräften der Klasse als pädagogisch sinnvoll angesehen, wird ein Kind zum Lesekurs in der Mittelstufe gemeldet. Je nach Anzahl der SchülerInnen und Schüler werden mehrere klassenübergreifend Kurse aus den 3 Jahrgängen gebildet, je nach Anzahl der Schülerinnen und Schüler in ein oder mehreren  Niveaugruppen. Die Schülerinnen und Schüler lernen in neuen sozialen Gruppen. Sie werden u. U. im Kurs nicht mehr von den Lehrkräften der Klasse in ihrem Klassenraum unterrichtet. Sie nehmen ihre eigenen Materialien mit in den Kursraum.

Neben dem „Lesekurs“ gibt es Kursangebote zu anderen Themen.

Nachdem die Kurseinteilung nach den ersten Schulwochen des Schuljahres  vollzogen worden ist, beginnen die Kurse: ab September/Oktober  bis Mai.

Kann der Kurs an einem Unterrichtstag nicht stattfinden, fällt er aus und es findet Klassenunterricht statt.

Die Zusammensetzung der Kurse ändert sich jährlich.

 

Lernen im Klassenunterricht

Im Klassenunterricht findet weiterhin im Rahmen der Einzelförderung Lese- und Schreibunterricht statt.

 

1.5.3     Der Schriftspracherwerb in der Hauptstufe

 

Der Schriftspracherwerb in der Hauptstufe (7.-9-Schulbj.) bedeutet die direkte Fortsetzung des bereits Erlernten. Dies geschieht zum einen innerhalb des Klassenverbandes, realisiert durch innere Differenzierung, eventuell auch durch Einzelförderung. Der jeweilige Unterrichtsinhalt berücksichtigt dabei stets den individuellen Stand innerhalb des Entwicklungsprozesses der SchülerInnen.

Von großer Wichtigkeit bei der Textauswahl ist hierbei die Verwendung altersadäquater Themen, wie Freundschaft, Sexualität, Arbeit, aber auch  Sachthemen aus den Bereichen Umwelt  und Technik. Dazu gehört auch das Lesen von Zeitungen, Anleitungen, Fahrplänen usw.

 

Die Aufgaben des Unterrichts in der Hauptstufe liegen hierbei schwerpunktmäßig im Lesen und Verstehen von Texten, aber auch im Schreiben und Rechtschreiben.

 

 

Weitere Inhalte finden sich in grammatikalischen Themen wie Groß- und Kleinschreibung, Satzgliederung, Wortarten usw. Auch Lexikonarbeit gehört dazu.

 

Eine weitere wichtige Säule des Schriftspracherwerbs in der Hauptstufe wird von den klassenübergreifenden Lesekursen gebildet. Innerhalb dieser Kurse erhalten die SchülerInnen gemäß ihrer Leseentwicklung entsprechende Lernangebote. Die Lesekurse finden zwei mal wöchentlich, meist in Kombination mit angebotenem Mathematikunterricht, statt. Inhaltlich arbeiten die Lesekurse in Ergänzung zum Klassenunterricht. Dabei erscheint das kontinuierliche Üben und Festigen des Erlernten besonders wichtig.

 

1.5.4     Schriftspracherwerb in der Werkstufe

 

Der Schriftspracherwerb in der Werkstufe (10.-12.-Schulbj.) bedeutet, ähnlich wie in der Hauptstufe, die direkte Fortsetzung des bereits Erlernten. Dies geschieht in der Werkstufe zum einen innerhalb des Klassenverbandes, realisiert durch innere Differenzierung und durch Einzelförderung, die fester Bestandteil des Stundenplans in der Stammklasse ist. Zum anderen auch in klassenübergreifenden Gruppen im Rahmen des dortigen allgemeinen Unterrichts, wie z.B. den Kulturtagklassen und Praxistagklassen.

Die Textauswahl richtet sich nach stufenspezifischen und natürlich  altersadäquaten Themen, wie Freundschaft, Sexualität, Arbeit, Übergang von der Schule in die Arbeitswelt aber auch noch nach Sachthemen aus den Bereichen Umwelt  und Technik. Ebenfalls gehört  das Lesen von und der Umgang mit verschiedenen Medien (z.B. Zeitungen, Internet etc.) und das Lesen von Rollentexten, Anleitungen, Fahrplänen, Arbeitsplänen, Literaturlektüren, usw. dazu.

Die Aufgaben des schriftsprachlichen Unterrichts in der Werkstufe liegen sowohl im Lesen und Verstehen von Texten, als auch im Schreiben und Rechtschreiben (z.B. bei Bewerbungsschreiben, Führen von Praktikumsmappen, Einladungen, Grußkarten, Aushängen, Etiketten, Verfassen von freien Texten, Verfassen von e-mails).

Auch die Fortführung und Vertiefung grammatikalischer Themen wie Groß- und Kleinschreibung, Satzgliederung, Wortarten usw. , sowie die  Lexikonarbeit sind weitere Inhalte, die in der Werkstufe besonders im Unterricht der Einzelförderung zum Tragen kommen.

 

Das Schreiben verlangt einen hohen Grad an Abstraktionsfähigkeit und Symbolverständnis, der nicht von allen Schülerinnen und Schülern der Friedrich-Fröbel-Schule erreicht wird. Es geht primär nicht darum, dass diese Schülerinnen und Schüler „das Schreiben“ lernen, sondern dass ihr „Schreiben können“ einen Beitrag zur Selbstverwirklichung, zur sozialen Integration und nachschulischen Perspektive leistet. Das Schreiben von gesprochener Sprache eröffnet Möglichkeiten der zwischenmenschlichen Kommunikation und der gesellschaftlichen Integration.

 

AG Lesen: Judith KleinNicole KramerMonika Leidorf, Ulrike Martin, Angelika Thannhäuser, Sarah Uhlig.

 


Literatur:

Günther, W.: Lesen und Schreiben an der Schule für Geistigbehinderte. Grundlagen und Übungsvorschläge zum erweiterten Lese- und Schreibbegriff. Dortmund: Verlag modernes Lernen 1999.

Hublow, Christoph: Lebensbezogenes Lesen lernen bei geistig behinderten Schülern. In: Geistige Behinderung, Heft 2/1985).

Schäfer, Holger und Leis, Nicole: Der Anlautbaum. Konzept eines lehrgangunabhängigen Anlautsystems – nicht nur für Schüler mit Förderbedarf - Verlag Modernes Lernen, Dortmund 2007

Schmid, Michaela Verena, Schimmele, Stefanie: Individuell und selbstgesteuert lesen und schreiben lernen mit Hilfe der Anlauttabelle – eine Möglichkeit auch für Schülerinnen und Schüler an der Schule für Geistigbehinderte. In: Heilpädagogik online 04/04.