Schulentwicklung 1998–2002
Das Schulprogramm aus den Jahren 1998 bis 2002 dokumentiert den Entwicklungsprozess, die Leitziele und den pädagogischen Rahmen der Friedrich-Fröbel-Schule.
Vorwort
In Hessen ist jedes Kind ab dem 6. Lebensjahr schulpflichtig. Bis dieser Satz aus dem Hessischen Schulgesetz auch in der Praxis für jedes behinderte Kind, unabhängig von der Art und dem Ausmaß seiner Behinderung galt, war es ein langer Weg.
Schulen für Kinder mit einer geistigen Behinderung wurden in Hessen in den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet. In den 70er-Jahren war dann eine flächendeckende Unterrichtsversorgung für alle geistigbehinderten Kinder gewährleistet. Den Anfang machten engagierte betroffene Eltern, die ihre geistigbehinderten Kinder durchaus für bildungsfähig hielten und ihr Recht auf den Besuch einer entsprechenden Schule massiv einforderten.
In den etwa 40 Jahren ihrer Geschichte durchliefen die Schulen eine stürmische Entwicklung. Viele Fragen taten sich auf:
- Wie sollten die Unterrichtsinhalte aussehen? War das überhaupt Unterricht?
- Konnten wirklich alle Kinder, auch die schwerstmehrfachbehinderten, die Schule besuchen?
- Sollten die Schülerinnen und Schüler einer solchen Schule nach der Art und Schwere ihrer Behinderung in Klassen eingeteilt werden oder nach ihrem Lebensalter?
- Wie sollten die Lehrerinnen und Lehrer ausgebildet sein? Welches Personal war zusätzlich nötig?
- Wie musste eine solche Schule eingerichtet werden? Welche behinderungsspezifischen Ausstattungen waren nötig?
Die Antworten auf diese Fragen sind heute weitgehend Konsens und finden sich im Schulprogramm wieder. Schulen für Praktisch Bildbare haben ihren Platz in der Gesellschaft gefunden und sind aus dem Schulsystem nicht mehr wegzudenken.
Auch die Friedrich-Fröbel-Schule ist in ihrer Umgebung verankert und bezieht ihre pädagogische Ausrichtung aus dem Lebensumfeld ihrer Schülerinnen und Schüler. 40 Jahre engagierter pädagogischer Arbeit vieler Kolleginnen und Kollegen haben dazu geführt, letztendlich das vorliegende Schulprogramm entstehen zu lassen, das dokumentiert, wie wichtig, wie erfolgreich und wie befriedigend schulische Arbeit mit geistigbehinderten Schülerinnen und Schülern sein kann.
Begonnen wurde die Arbeit am Schulprogramm mit der Perspektive der Weiterentwicklung der Friedrich-Fröbel-Schule. Zu Beginn des Schuljahres 2002/03 hat die neue Schule für Praktisch Bildbare in Bruchköbel ihre Arbeit aufgenommen. 54 Schülerinnen und Schüler und 21 Kolleginnen und Kollegen haben die Friedrich-Fröbel-Schule verlassen, um die Pionierarbeit des Aufbaus einer neuen Schule zu wagen. Das Schulprogramm dient als stabiler und bewährter Rahmen für die Ausgestaltung und Weiterentwicklung. Eine vielfältige und enge Kooperation beider Schulen wurde als Baustein der fortzuschreibenden Schulprogramme formuliert.
1. Unsere Arbeit am Schulprogramm
Die Arbeit am Schulprofil begann mit einigen Pädagogischen Tagen in den Jahren 1997 und 1998, an denen sich mit dem Menschenbild auseinandergesetzt wurde. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Begriff über Behindertsein, der Klärung des Selbstverständnisses und dem Umgang mit den Schülern. Hieraus entstanden die Grundgedanken zu den Leitzielen des Schulprogramms, die in Diskussionen und im permanenten Prozess entwickelt wurden.
Im Juni 1999 wurde auf einer Gesamtkonferenz die Schulprogrammgruppe mit dem Auftrag zur Steuerung des Entwicklungsprozesses des Schulprogramms gewählt. Um den Ist-Stand der Arbeit an der Schule zu ermitteln, entwickelte die Gruppe einen Fragebogen, aus dessen Ergebnissen auf einer Pädagogischen Konferenz im November 1999 gemeinsam die Schwerpunkte der weiteren Arbeit am Schulprogramm festgelegt wurden.
An einem Pädagogischen Tag im März 2000 fand in stufenübergreifenden Arbeitsgruppen ein Austausch über die grundlegenden Unterrichtsinhalte und –methoden statt. Hier wurden die inhaltlichen Vereinbarungen getroffen und abgestimmt, die im Schulprofil fest geschrieben sind.
Im September 2000 folgte ein weiterer Pädagogischer Tag, der zur Inventarisierung und dem Aufräumen von Lehr- und Lernmitteln genutzt wurde. Gleichzeitig wurden Vereinbarungen über den Umgang mit den vorhandenen Materialien und Unterrichtsgegenständen getroffen.
Die Auswertung des Fragebogens ergab u.a., dass die Kommunikation und Kooperation zwischen den Stufen aufgrund der Größe des Systems für einen großen Teil des Kollegiums unbefriedigend waren. Daher veranstaltete die Schule im März 2001 einen Pädagogischen Tag, an dem Formen des besseren Austauschs zwischen den Kollegen der Stufen diskutiert wurden und regelmäßige Übergabegespräche sowie die Erstellung eines Übergabebogens für jeden Schüler beim Wechsel in die nächste Stufe vereinbart wurden.
Die Schülerzahl der Schule hatte sich im Laufe der Jahre verdoppelt, so dass eine Raumlösung notwendig wurde. An diesen Überlegungen und Planungen war das gesamte Kollegium seit 1999 beteiligt. Überlegt und konzipiert wurden zunächst eine Dependance, später ein Umbau und endlich ein Schulneubau in Bruchköbel.
Aufgrund dieser Doppelbelastung – Konzeption und Planung eines Schulneubaus und andererseits Weiterarbeit am Schulprogramm – wurde innerhalb des Kollegiums die Notwendigkeit zur Erstellung eines Schulprogramms immer wieder diskutiert und hinterfragt.
Daraufhin hat die Schulprogrammgruppe im September 2001 eine Pädagogische Konferenz veranstaltet. Ergebnis der Konferenz war einerseits, dass sich weiterhin alle Kollegen an der Erstellung eines Ist-Standes des Schulprogramms beteiligen und andererseits, dass der Prozess der weiteren schulprogrammatischen Arbeit zugunsten der Arbeit an der Teilung ausgesetzt wird.
Die Formulierung der schulischen Leitziele wurde von der Gesamtkonferenz, vom Elternbeirat und durch die Schulkonferenz im Frühjahr 2002 verabschiedet. Seit Sommer 2001 lag der Schwerpunkt der weiteren Arbeit auf der Teilung der Schulgemeinde und der Planung des Schulneubaus.
2. Leitziele
Die Würde des Menschen ist unantastbar.
- Alle am Schulleben der Friedrich-Fröbel-Schule beteiligten Personen begegnen sich mit Achtung und respektieren sich in ihrer Individualität.
- Die Prinzipien Heterogenität, Altersangemessenheit und Differenzierung bestimmen das pädagogische Handeln.
- Die Schaffung eines guten Lern- und Arbeitsklimas ist ein wesentliches Anliegen und Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und zufriedenstellende Arbeit. Dies impliziert die Anerkennung und Wertschätzung der unterschiedlichen Professionen und Arbeitsaufgaben aller an der Schule Tätigen.
- Die Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule muss förderlich sein für die Schülerinnen und Schüler. Sie wird gestaltet durch strukturierte Angebote für alle sowie durch individuell abgestimmte Kooperation und gegenseitige Unterstützung bei Anerkennung der unterschiedlichen Lebensbereiche.
- Das Schulleben wird so gestaltet, dass die Schülerinnen und Schüler eine gesellschaftliche Teilhabe erlangen.
- Ziel des Unterrichts ist die Hinführung zu mehr Selbständigkeit und Selbstvertrauen, zur Entwicklung von Ich-Kompetenz und zur wachsenden Fähigkeit, autonome und verantwortliche Entscheidungen treffen zu können.
- Unterricht orientiert sich an für die Schüler relevanten Bedürfnissen, Inhalten und Interessen.
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